Streifenhörnchen auf Lanzarote - Wie ein Exot die Vulkaninsel eroberte

Sie sitzen auf schwarzen Lavasteinen, posieren wie Miniaturmodels vor karger Vulkanlandschaft und wirken dabei so fehl am Platz wie ein Eisbär in der Sauna: Streifenhörnchen auf Lanzarote. Wer die Kanareninsel besucht, rechnet mit Kakteen, Wind und Lava – aber nicht mit pelzigen Gesichtern und buschigen Schwänzen. Und doch sind sie da. Nicht vereinzelt, nicht zufällig, sondern erstaunlich präsent. Zeit also, diesem ungewöhnlichen Inselbewohner auf den Grund zu gehen.
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Ein Afrikaner auf Abwegen: Woher die Streifenhörnchen kommen
Die Streifenhörnchen Lanzarotes sind keine einheimischen Arten, keine Laune der Evolution und auch kein besonders kreativer Auswuchs der kanarischen Fauna. Sie stammen ursprünglich aus Nordafrika – genauer gesagt handelt es sich um das Atlashörnchen, das natürlicherweise in Marokko und Algerien lebt. Also kein klassischer US-Import, wie der Name „Chipmunk“ vermuten lässt, sondern ein afrikanischer Einwanderer.
Auf die Kanaren kamen sie allerdings nicht aus eigener Kraft. Die gängige – und gut belegte – Geschichte beginnt in den 1960er-Jahren. Ein deutscher Medizinstudent soll ein Pärchen dieser Hörnchen aus Marokko mitgebracht und auf Fuerteventura ausgesetzt haben. Von dort aus verbreiteten sie sich explosionsartig. Lanzarote folgte wenig später, vermutlich durch menschliches Zutun: als Haustiere, Urlaubsmitbringsel oder schlicht als blinde Passagiere.
Was wie eine Anekdote klingt, ist biologisch ein Klassiker: Eine invasive Art betritt ein neues Ökosystem – mit unabsehbaren Folgen.

Gestreift, geschniegelt, sehr fotogen: So sehen die Tiere aus
Wenn Sie einem Streifenhörnchen auf Lanzarote begegnen, erkennen Sie es sofort. Es ist etwa 20 bis 25 Zentimeter lang, davon fast die Hälfte Schwanz. Das Fell ist hellbraun bis sandfarben, perfekt getarnt für vulkanische Böden und trockene Landschaften. Über den Rücken ziehen sich mehrere dunkle und helle Längsstreifen – ein modisches Statement der Evolution.
Die Augen sind groß, schwarz und aufmerksam, die Ohren klein und rund. Alles an diesem Tier wirkt wach, flink, neugierig. Es bewegt sich ruckartig, bleibt plötzlich stehen, richtet sich auf die Hinterbeine auf und mustert Sie – als hätten Sie gerade sein Revier betreten, nicht umgekehrt.
Und dann dieser Schwanz: buschig, elegant, stets in Bewegung. Er ist Balancierhilfe, Kommunikationsmittel und visuelle Ablenkung in einem. Kurz gesagt: Die Streifenhörnchen sind hochgradig instagrammtauglich. Was ihrer Beliebtheit bei Touristen nicht gerade schadet.
Wo Sie ihnen begegnen – und wo garantiert
Sie müssen nicht lange suchen. Die Streifenhörnchen Lanzarotes haben ein feines Gespür für Orte mit Menschen – und mit Essen. Besonders häufig finden Sie sie:
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Im Timanfaya-Nationalpark, wo sie auf Lavafeldern sitzen, als wären sie Teil der Ausstellung
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An Aussichtspunkten, Parkplätzen und Rastplätzen
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In der Nähe von Restaurants und Cafés, vor allem dort, wo Besucher füttern
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In trockenen, offenen Landschaften mit Felsspalten und wenig Vegetation
Sie graben Baue in lockeren Böden, zwischen Lavaformationen oder unter Steinen. Lanzarotes karge Natur kommt ihnen entgegen: wenig Konkurrenz, kaum natürliche Feinde und ganzjährig mildes Klima.
Kurz gesagt: Die Insel ist für Streifenhörnchen das, was das Silicon Valley für Start-ups ist – ein Ort unbegrenzter Möglichkeiten.

Zutraulich, frech, ungebeten: Begegnungen mit Touristen
Viele Besucher empfinden die Tiere als niedlich, fast schon zahm. Sie kommen nahe heran, betteln um Essen, schnappen sich Brotkrümel oder Kekse. Manche lassen sich sogar fotografieren, als hätten sie einen Vertrag mit der Tourismusbehörde.
Doch dieser Eindruck täuscht. Die Tiere sind nicht zahm, sondern konditioniert. Sie haben gelernt, dass Menschen Nahrung bringen. Das verändert ihr Verhalten, macht sie aufdringlich und langfristig abhängig. Zudem ist menschliche Nahrung für sie alles andere als gesund.
Die Inselverwaltung rät deshalb seit Jahren davon ab, Streifenhörnchen zu füttern. Mit mäßigem Erfolg. Der Mensch ist lernresistent – vor allem im Urlaub.
Bedrohung oder Bereicherung? Die ökologische Debatte
Jetzt wird es ernst. Denn so niedlich die Streifenhörnchen wirken, so problematisch sind sie aus ökologischer Sicht. Biologen sprechen klar von einer invasiven Art, die das empfindliche Ökosystem der Kanaren gefährdet.
Die Hauptprobleme im Überblick:
1. Konkurrenz um Nahrung
Streifenhörnchen sind Allesfresser. Sie fressen Samen, Früchte, Insekten, Eier und sogar kleine Wirbeltiere. Damit konkurrieren sie mit einheimischen Arten – vor allem Vögeln und Reptilien.
2. Bedrohung für endemische Arten
Die Kanaren beherbergen viele Arten, die es nur hier gibt. Diese sind oft schlecht angepasst an neue Fressfeinde. Streifenhörnchen plündern Nester, fressen Eier und Jungtiere – mit messbaren Auswirkungen.
3. Veränderung der Vegetation
Durch das Fressen und Verbreiten bestimmter Samen beeinflussen sie die Pflanzenzusammensetzung. Was wächst, was verschwindet, wird plötzlich von einem Import-Nager mitentschieden.
4. Fehlende natürliche Feinde
Auf Lanzarote gibt es kaum Tiere, die Streifenhörnchen effektiv jagen. Keine Füchse, keine größeren Raubtiere. Die Population wächst ungebremst.
Das Ergebnis: ein ökologisches Ungleichgewicht, das sich nicht von selbst reguliert.

Was wird dagegen unternommen?
Die Behörden wissen um das Problem – und stehen vor einem Dilemma. Eine vollständige Ausrottung ist praktisch unmöglich und politisch heikel. Wer will schon die „süßen Hörnchen“ töten? Gleichzeitig ist Nichtstun keine Option.
Bisher setzt man vor allem auf:
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Aufklärung (nicht füttern!)
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Populationskontrolle in sensiblen Gebieten
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Forschung zu langfristigen Auswirkungen
Radikale Maßnahmen, wie sie bei anderen invasiven Arten ergriffen wurden, stoßen auf Widerstand – von Tierschützern ebenso wie von Touristen.
So bleibt das Streifenhörnchen auf Lanzarote ein ungelöstes Problem. Oder, je nach Perspektive, ein liebenswerter Störenfried.
Spiegel der Globalisierung: Warum das Streifenhörnchen mehr ist als ein Tier
Vielleicht liegt die Faszination dieser Tiere gerade darin, dass sie eine größere Geschichte erzählen. Eine Geschichte über Globalisierung, menschliche Unachtsamkeit und gut gemeinte Fehlentscheidungen. Über das Mitbringen exotischer Tiere, über ökologische Kurzsichtigkeit – und über die Folgen, die Jahrzehnte später sichtbar werden.
Das Streifenhörnchen ist kein Bösewicht. Es tut, was Tiere tun: überleben, sich vermehren, Chancen nutzen. Die Verantwortung liegt – wie so oft – beim Menschen.
Niedlich, clever – und problematisch
Wenn Sie auf Lanzarote einem Streifenhörnchen begegnen, dürfen Sie ruhig schmunzeln. Sie dürfen es fotografieren, beobachten, sich über seine Dreistigkeit wundern. Aber bitte: Füttern Sie es nicht. Und verwechseln Sie Niedlichkeit nicht mit Harmlosigkeit.
Denn dieses kleine Tier mit den großen Augen steht exemplarisch für ein zentrales Thema unserer Zeit: Wie fragil Ökosysteme sind – und wie schnell wir sie aus dem Gleichgewicht bringen. Manchmal genügt dafür schon ein Hörnchen im Handgepäck.